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Ein Paar liegt unter einer weißen Decke und schaut sich lächelnd an.

Pearl-Index: Wie zuverlässig sind verschiedene Verhütungsmethoden?

Autorin:

Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Verhütungsmethode ist die Zuverlässigkeit. Um sie zu beurteilen, wird oft der sogenannte Pearl-Index herangezogen.

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stehen Sicherheit und Zuverlässigkeit bei der Verhütung für sexuell aktive Erwachsene im Alter von 18 bis 49 Jahren an erster Stelle. Erst danach folgen eine einfache Anwendung und gute Verträglichkeit.

Lesedauer: 8 Minuten

Was versteht man unter dem Pearl-Index?

Ein Maß zur Beurteilung der Sicherheit eines Verhütungsmittels ist der Pearl-Index. Der Wert des Pearl-Index gibt die Anzahl der Schwangerschaften wieder, die unter einer Verhütungsmethode aufgetreten sind. Diese werden dann auf die Anwendungsmonate bezogen.

Die Formel zur Berechnung des Pearl-Index lautet:

Pearl-Index = Anzahl der Schwangerschaften x 12 Monate x 100 / Anzahl Frauen x Anwendungsmonate

Etwas einfacher ausgedrückt gibt der Pearl-Index an, wie viele von 100 Frauen schwanger werden, wenn sie ein Jahr lang eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden.

Was bedeutet ein hoher oder niedriger Pearl-Index?

Ein einfaches Beispiel: Ein Pearl-Index von 1 bedeutet, dass von 100 Frauen, die über 12 Monate das gleiche Verhütungsmittel anwenden, durchschnittlich eine schwanger wird. Je kleiner der Wert des Pearl-Index, desto weniger Frauen werden schwanger, d. h. desto sicherer ist die Methode. Ein hoher Wert weist dagegen auf mehr Schwangerschaften und eine entsprechend unsicherere Verhütung hin.

Übrigens: Der „natürliche“ Pearl-Index, also die ungefähre Schwangerschaftsrate ohne Verhütung, liegt bei 80 bis 85. Das bedeutet, wenn 100 Paare über 12 Monate hinweg nicht verhüten und regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, werden 80 bis 85 der Frauen in dieser Zeit schwanger.

Pearl-Index verschiedener Verhütungsmittel

Die einzelnen Verhütungsmethoden unterscheiden sich in ihrer Sicherheit und damit im jeweiligen Pearl-Index. Hier einige Beispiele für den Pearl-Index von gängigen Verhütungsmethoden:

  • Pille: 0,1–0,9
  • Kondom: 2–12
  • Hormonspirale: 0,16
  • Diaphragma: 1–20

Wie man sieht, gibt es bei einigen Methoden große Schwankungen, was den Wert des Pearl-Index angeht. Das betrifft vor allem Verhütungsmittel, die auf eine korrekte Anwendung angewiesen sind. Beispielsweise ist die Pille ein sehr sicheres Verhütungsmittel, jedoch ist dieser hohe Schutz nur in vollem Umfang gewährleistet, wenn die Einnahme täglich und etwa zur gleichen Uhrzeit erfolgt – die meisten ungewollten Schwangerschaften unter oralen Kontrazeptiva sind auf Einnahmefehler zurückzuführen. Das Gleiche gilt für die natürliche Familienplanung oder andere Methoden, bei denen eine sorgfältige Anwendung notwendig ist.

Kritik am Pearl-Index und Alternativen

Am Pearl-Index wird immer wieder Kritik geübt, da dabei nicht berücksichtigt wird, ob eine Methode korrekt angewendet wird. Genau genommen muss also zwischen sogenannter Gebrauchs- und Methodensicherheit unterschieden werden. Während die Gebrauchssicherheit (typical use) anwenderbedingte Fehler einkalkuliert, bezieht sich die Methodensicherheit (perfect use) auf die Effektivität bei korrekter Anwendung. Entsprechend lassen sich die einzelnen Verfahren in anwenderabhängige und -unabhängige Methoden unterteilen.

Aus wissenschaftlicher Sicht sollte der Pearl-Index daher nicht mehr verwendet werden. Stattdessen plädieren Experten dafür, bei der Beurteilung der Sicherheit auf genauere Analysen zurückzugreifen:

  • Bei der Life-table-Analyse werden mögliche Anwendungsfehler im Alltag einbezogen. Sie zeigt, wie hoch das Risiko einer Schwangerschaft im realen Alltag über einen definierten Zeitraum ist und sollte zur Berechnung der Gebrauchssicherheit herangezogen werden.
  • Die „Perfect use“-Methode nach Trussell berücksichtigt nur die Schwangerschaften, die trotz korrekter Anwendung aufgetreten sind. Sie eignet sich zur Berechnung der Methodensicherheit.

Doch auch wenn diese Analysen genauer sind: Als grobe Orientierung eignet sich der Pearl-Index nach wie vor. Wenn die Werte bei einer Methode stark schwanken, spricht das dafür, dass es dabei auf eine korrekte Anwendung ankommt. Darauf sollten Paare bei der Verhütung aber grundsätzlich achten.

Quellen 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Register-Nr. 015-095, Dezember 2023. │Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V. (DGGEF): Stellungnahme zur Beurteilung der Sicherheit von Familienplanungsmethoden. https://sektion-natuerliche-fertilitaet.de/stellungnahme-zur-beurteilung-der-sicherheit-von-familienplanungsmethoden/ (letzter Zugriff 19.11.2025). │Pro Familia: Pearl-Index. https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index (letzter Zugriff 19.11.2025). │Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Verhütungsverhalten Erwachsener 2023“. Repräsentative BzgA-Wiederholungsbefragung. https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/pressemitteilungen/daten_und_fakten/Infoblatt_BZgA-Studiendaten_Verh%C3%BCtungsverhalten_2023.pdf (letzter Zugriff: 19.11.2025).

Bildnachweise

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Autor/-in unseres Artikels
Eva Bauer, Ärztin
Eva Bauer
Ärztin
Studium:
  • Universitätsklinik Erlangen
Berufliche Stationen:
  • Universitätsklinik Freiburg
  • Amtsärztin im Gesundheitsamt Haßberge
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Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin
Studium:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Berufliche Stationen:
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
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