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Verhütung nach der Geburt: Welche Methoden kommen wann in Frage?

Autorin:

Nach einer Entbindung dauert es eine gewisse Zeit, bis sich der Menstruationszyklus wieder einspielt und eine Frau erneut schwanger werden kann. Doch zu lange sollten Sie mit der Verhütung nicht warten.

Lesedauer: 10 Minuten

Wann sollte man nach der Geburt wieder verhüten?

Nach der Geburt setzen der normale Zyklus und somit auch der Eisprung häufig relativ schnell wieder ein, bei manchen Frauen bereits nach 4 Wochen, bei anderen kann es auch einige Monate dauern. Das hängt unter anderem davon ab, ob die Mutter stillt oder nicht. Bei nicht stillenden Frauen kommt es schneller wieder zum Eisprung – übrigens oft auch bereits vor der nächsten Periode.

Daher sollten Wöchnerinnen, in enger Rücksprache mit Frauenärztin/Frauenarzt, idealerweise wieder über das Thema Verhütung nachdenken, sobald der Wunsch nach Geschlechtsverkehr besteht.

Um Sie bei der Wahl der für Sie geeigneten Verhütungsmethode zu unterstützen, finden Sie hier alles Wichtige rund um das Thema Verhütung nach der Geburt.

Hintergrundinformation: Wochenfluss und erste Periode nach der Geburt

In den ersten Wochen nach einer natürlichen Geburt haben Frauen zunächst den sogenannten Wochenfluss. Durch den Geburtsvorgang bzw. die Ablösung der Plazenta (Nachgeburt) stellt die Gebärmutterinnenwand eine Wunde dar, die in den ersten Wochen nach der Geburt wieder abheilen muss. Bei diesem Abheilungsvorgang wird ein spezielles Wundsekret, der Wochenfluss, ausgeschieden, der Frauen zunächst wie eine starke Menstruation erscheinen kann.

Auch nach Abklingen des Wochenflusses dauert es in der Regel noch einige Wochen bis Monate, bis der normale Rhythmus des Menstruationszyklus wieder einsetzt. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass die ersten Monatsblutungen zunächst stärker, länger, kürzer oder schwächer ausfallen. Gewöhnlich dauert es einige Zyklen, bis sich alles wieder normal eingespielt hat.

Stillen kann zusätzlich das Einsetzen der Menstruation hinauszögern. Im Zweifel sollten Sie bei Beschwerden oder ungewöhnlichen Anzeichen immer gynäkologischen Rat suchen, um Komplikationen auszuschließen.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema: Weiblicher Zyklus, Periode und Menstruation: Was man wissen sollte

Stillen als natürliches Verhütungsmittel?

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass Stillen einen natürlichen Verhütungsschutz bietet? Tatsächlich zählt das Stillen zu den Methoden der nicht-hormonellen Empfängnisverhütung. Experten sprechen von der sogenannten Laktationsamenorrhoe (Laktation = Muttermilchbildung und -sekretion, Amenorrhoe = Ausbleiben der Regelblutung). Das bedeutet, dass durch das Stillen und die dabei freigesetzten Hormone die Funktion der Eierstöcke reduziert wird und eine Frau somit in dieser Zeit nicht schwanger werden kann. Allerdings gibt es ein paar Einschränkungen. So lässt der Verhütungsschutz nach, wenn eine Frau nicht mehr vollständig stillt. Darüber hinaus gilt die Methode ab 6 Monaten nach der Geburt nicht mehr als sicher.

Folgende Voraussetzungen müssen daher erfüllt sein, damit die „Stillmethode“ weitgehend sicher funktioniert:

  1. Die Frau stillt voll.
  2. Sie hat keine Blutungen (Amenorrhoe).
  3. Sie befindet sich in den ersten 6 Monaten nach der Geburt.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, liegt der Verhütungsschutz der Laktationsamenorrhoe bei mehr als 98 %. Spätestens ein halbes Jahr nach der Geburt sollte jedoch eine andere Verhütungsmethode gewählt werden, um weiterhin einen sicheren Schutz zu gewährleisten.

Geeignete Verhütungsmethoden nach der Geburt

Alternativ können Frauen während der Stillzeit auch auf andere Verhütungsmethoden zurückgreifen – allerdings nicht auf alle. Östrogen-Gestagen-Präparate (Kombinationspräparate) werden beim Stillen nicht empfohlen. Wenn Sie stillen, sollten Sie daher auf Gestagen-Monopräparate oder hormonfreie Methoden ausweichen.

Mögliche Varianten während der Stillzeit

Zu den möglichen Varianten der Empfängnisverhütung während der Stillzeit zählen:

  • Minipille (Gestagen-Monopräparat)
  • Hormonspirale
  • Kupferspirale
  • Barrieremethoden (Kondom, Diaphragma)

Verhütungsmethoden für Frauen, die nicht stillen

Frauen, die nicht stillen, sollten bereits früher für eine sichere Verhütung sorgen. Sie können auch eine Kombinationspille nutzen, sollten damit allerdings erst ab 6 Wochen nach der Geburt beginnen, um das Thromboserisiko im Wochenbett nicht zusätzlich zu erhöhen. Bei anderen Methoden wie z. B. der Spirale sollte sich die Gebärmutter bereits auf ihre ursprüngliche Größe und Form rückgebildet haben, was ebenfalls frühestens nach 6 Wochen der Fall ist. Bei Frauen, die vor der Geburt ein Diaphragma verwendet haben, müssen Sitz und Größe unter Umständen angepasst werden. Damit sollte man etwa drei Monate warten.

Mögliche Varianten bei nicht stillenden Frauen

Wenn Sie nicht stillen, stehen Ihnen ab 6 Wochen nach der Geburt grundsätzlich alle gängigen Verhütungsmethoden offen. Dazu gehören:

  • Pille und Minipille
  • Hormonspirale, Vaginalring
  • Kupferspirale
  • Kondom, Diaphragma

Am besten sprechen Sie bei einem der nachgeburtlichen Kontrolltermine mit Ihrem Frauenarzt/ Ihrer Frauenärztin über die unterschiedlichen Möglichkeiten.

Sie möchten wissen, wie sicher und zuverlässig die einzelnen Verhütungsmethoden sind? Lesen Sie dazu: Sicher verhüten: Was versteht man unter dem Pearl-Index?

Quellen 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Register-Nr. 015-095, Dezember 2023. │Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsthemen/verhuetung-nach-der-geburt/ (2025) (letzter Zugriff 20.11.2025).

Bildnachweise

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Autor/-in unseres Artikels
Eva Bauer, Ärztin
Eva Bauer
Ärztin
Studium:
  • Universitätsklinik Erlangen
Berufliche Stationen:
  • Universitätsklinik Freiburg
  • Amtsärztin im Gesundheitsamt Haßberge
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Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin
Studium:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Berufliche Stationen:
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
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