Hormonfreie Verhütung – von Kondom bis Sterilisation
Autorin: Eva Bauer, Ärztin
Viele Frauen möchten heutzutage lieber ohne Hormone verhüten. Welche Möglichkeiten es dabei gibt und wie sicher die einzelnen Methoden sind, erfahren Sie im folgenden Beitrag.
Vor ein paar Jahren hat das Kondom die Pille als meistverwendetes Verhütungsmittel abgelöst, wie eine repräsentative Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab. Vor allem jüngere Menschen stehen der klassischen hormonellen Verhütung aufgrund ihrer Nachteile zunehmend kritisch gegenüber.
Passend dazu ist im Dezember 2023 erstmals eine Leitlinie zur nicht-hormonellen Empfängnisverhütung erschienen. Eine Patientenversion dazu finden Sie hier: Patientenleitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung
Lesedauer: 6 Minuten
Hormonfreie Verhütungsmethoden im Überblick
Folgende Alternativen zur Pille und anderen hormonellen Verhütungsmethoden stehen zur Verfügung:
Natürliche Verhütung
Die natürliche Verhütung kommt ganz ohne mechanische, hormonelle oder chemische Verhütungsmittel aus.
Lesen Sie dazu: Wie funktioniert die natürliche Verhütung?

Barrieremethoden: Kondom und Diaphragma
Die derzeit beliebteste Verhütungsmethode, das Kondom, zählt zu den Barrieremethoden. Sie verhindert rein mechanisch, dass Spermien in die Gebärmutter wandern und dort eine Eizelle befruchten.
Richtig angewendet ist das Kondom vergleichsweise sicher und bietet außerdem einen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Allerdings ist die Sicherheit stark von der Konsequenz und Sorgfalt des Paares abhängig. Daher schwankt der sogenannte Pearl-Index, der die Sicherheit eines Verhütungsmittels angibt, beim Kondom zwischen 2 und 12. Das bedeutet, bei 100 Paaren, die über 12 Monate Kondome nutzen, werden durchschnittlich 2 bis 12 Frauen schwanger.
Mehr zum Pearl-Index erfahren Sie hier: Pearl-Index: Wie zuverlässig sind verschiedene Verhütungsmethoden?
Kondom für die Frau
Wussten Sie, dass es auch Frauenkondome gibt? Sie werden auch als interne oder Vaginalkondome bezeichnet und funktionieren im Prinzip ähnlich wie das Männerkondom. Nur wird der Schlauch, der aus verschiedenen Materialien bestehen kann, nicht über den Penis gestülpt, sondern vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt. Die Handhabung erfordert eine gewisse Übung.
Ein weiteres rein mechanisches Verhütungsmittel ist das Diaphragma, eine weiche Silikonkappe, die ebenfalls vor dem Geschlechtsverkehr tief in die Vagina, genauer gesagt vor den Muttermund, eingebracht wird. Da sie nicht vollständig abdichtet, sollte sie mit einem Verhütungsgel kombiniert werden. Im Gegensatz zum Frauenkondom kann ein Diaphragma mehrfach verwendet werden.

Zuverlässige Alternative: Kupferspirale und -kette
Eine weitere Möglichkeit der hormonfreien Verhütung – bei gleichzeitig hohem Verhütungsschutz – bieten Spiralen und Kupferketten. Dabei handelt es sich um einen Kunststoffrahmen, der mit einem Kupferdraht umwickelt ist (Spirale) bzw. um einen Kunststofffaden mit mehreren Kupfergliedern, die wie Perlen aufgezogen sind (Kupferkette). Sie werden in die Gebärmutter eingelegt, wo das Kupfer permanent in geringen Mengen abgegeben wird. Es hemmt die Beweglichkeit der Spermien und verändert zusätzlich das Milieu der Gebärmutter. Dadurch wird die Befruchtung und Einnistung der Eizelle verhindert.
Kupferspiralen und -ketten müssen von einem Frauenarzt bzw. einer Frauenärztin eingesetzt werden und können mehrere Jahre an Ort und Stelle verbleiben.

Sterilisation: sicher, aber oft endgültig
Für Paare, die mit der Familienplanung abgeschlossen haben, kommt als hormonfreie, sichere Verhütungsmethode auch eine Sterilisation von Mann oder Frau infrage. Beim Mann werden die Samenleiter, bei der Frau die Eileiter verschlossen. Alternativ können die Eileiter auch entfernt werden, was den sichersten Verhütungsschutz gewährleistet und gleichzeitig das Risiko für Eierstockkrebs reduziert.
Grundsätzlich kann eine Sterilisation zwar rückgängig gemacht werden (Refertilisation), vor allem bei Frauen führt das Verfahren aber nicht immer zum Erfolg. Nur ein Teil der Frauen wird anschließend schwanger. Daher sollte eine Sterilisation wirklich nur dann gewählt werden, wenn definitiv kein Kinderwunsch (mehr) besteht.
Keine sichere Wahl: Coitus interruptus
Bei vielen Paaren beliebt ist nach wie vor der Coitus interruptus („Rückzieher“). Dabei zieht der Mann den Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide. Da der Coitus interruptus von allen nicht-hormonellen Verhütungsmethoden die geringste Effektivität aufweist, wird er jedoch nicht empfohlen. In Fachkreisen wird er meist nicht einmal als Verhütungsmethode angesehen.
Fazit
Es gibt somit zahlreiche Verhütungsmethoden, die ohne Hormone auskommen und trotzdem einen guten Verhütungsschutz bieten – abgesehen vom sehr unsicheren Coitus interruptus. Welche für Sie in Frage kommt, müssen Sie zusammen mit Ihrem Partner je nach individuellen Vorlieben und Gepflogenheiten entscheiden. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt kann Ihnen dabei beratend zur Seite stehen.

Quellen
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Register-Nr. 015-095, Dezember 2023. │Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Verhütungsverhalten Erwachsener 2023“. Repräsentative BzgA-Wiederholungsbefragung. https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/pressemitteilungen/daten_und_fakten/Infoblatt_BZgA-Studiendaten_Verh%C3%BCtungsverhalten_2023.pdf (letzter Zugriff: 22.12.2025).




