Wie funktioniert die natürliche Verhütung?
Autorin: Eva Bauer, Ärztin
Natürlich und hormonfrei verhüten: Das wünschen sich immer mehr Frauen. Wer seinen Körper gut kennt und den Zyklus genau beobachtet, kann in der Regel ohne mechanische, hormonelle oder chemische Verhütungsmittel auskommen.
Lesedauer: 8 Minuten
Der Trend geht eindeutig weg von Pille und anderen hormonellen Verhütungsmethoden. Viele Paare greifen heute lieber zu nicht-hormonellen Alternativen.
Welche Möglichkeiten es dabei gibt, erfahren Sie hier: Von Kondom bis Sterilisation: hormonfreie Verhütung

Was ist die natürliche Verhütung
Eine besondere Art der hormonfreien Kontrazeption ist die natürliche Verhütung, die auch als „natürliche Familienplanung“ bezeichnet wird und ohne mechanische Barrieren, hormonelle oder chemische Zusätze funktioniert. Durch Ermittlung der fruchtbaren Tage kann eine Schwangerschaft sowohl angestrebt als auch vermieden werden – daher auch die Namensgebung. Dabei wird der Zyklus genau beobachtet, um so die fruchtbaren Tage zu ermitteln. Etwa zur Mitte des Zyklus, um den Eisprung herum, besteht ein fruchtbares Zeitfenster von vier bis sechs Tagen. Dieses ergibt sich daraus, dass die Eizelle zwar nur kurz befruchtungsfähig ist, Spermien jedoch mehrere Tage im weiblichen Körper überleben können und der Eisprung zeitlich nicht ganz exakt vorhersehbar ist. In diesem Zeitraum sollte ein Paar auf Geschlechtsverkehr verzichten, wenn es kein Kind bekommen möchte.

Wie stelle ich fest, ob ich gerade fruchtbar bin?
Um das fruchtbare Fenster zu bestimmen, können verschiedene Methoden angewendet werden. Die gängigsten und am besten untersuchten sind:
- Basaltemperaturmethode (tägliche Messung der Körpertemperatur)
- Billings-Methode (Selbstbeobachtung des Zervixschleims, also des Schleims aus dem Gebärmutterhals)
- symptothermale Methode (Kombination aus Beobachtung von Temperatur und Zervixschleim)
Diese Verfahren beruhen auf den körperlichen Veränderungen während des Zyklus. So steigt beispielsweise die Temperatur kurz nach dem Eisprung an. Über diesen Anstieg können der Eisprung und somit die fruchtbaren Tage ermittelt werden. Als unfruchtbar gilt bei dieser Methode der Zeitraum ab dem 3. Tag nach Temperaturanstieg bis zum Einsetzen der nächsten Periode. Um vergleichbare Werte zu erhalten, sollte die Temperatur immer morgens zur gleichen Zeit gemessen werden.
Achtung: Bei Infekten, unregelmäßigen Zyklen oder Störungen des Tag- und Nachtrhythmus können Temperaturschwankungen auftreten, die die Messung beeinflussen.
Mit Mönchspfeffer, enthalten in Agnucaston®, lässt sich das hormonelle Ungleichgewicht bei unregelmäßigen Zyklen auf natürliche Weise harmonisieren. Damit normalisiert sich der Zyklus, und Beschwerden vor der Periode, unter denen viele Frauen leiden, lassen nach. Darüber hinaus funktioniert auch die natürliche Verhütung zuverlässiger, weil sich die fruchtbaren Tage einfacher ermitteln lassen.

Worauf muss man beim Gebärmutterschleim achten?
Bei der Beobachtung des Zervixschleims werden täglich Aussehen, Menge und Konsistenz des Sekrets aus dem Gebärmutterhals beurteilt. Etwa 5–6 Tage vor dem Eisprung setzt die Schleimproduktion ein und hält bis 1–2 Tage danach an. Am Tag der Ovulation hat sie ihren Höhepunkt erreicht, gleichzeitig weist der Zervixschleim hier die höchste sogenannte Spinnbarkeit (zähe Konsistenz) auf. Besteht kein Kinderwunsch, sollten Sie an den fruchtbaren Tagen, an denen Sie diesen speziellen Schleim bemerken, auf Sex verzichten. Ein fehlender oder trockener Zervixschleim ist ein Hinweis auf unfruchtbare Tage.
Achtung: Auch hier können Störfaktoren die Verhütungsmethode beeinflussen. So kann männliches Ejakulat beispielsweise die Beurteilung, ob die Schleimproduktion bereits eingesetzt hat, erschweren. Außerdem ist auch ein Eisprung ohne Schleimproduktion möglich, wodurch die fruchtbaren Tage dann nicht ermittelt werden können.

Wie sicher ist die natürliche Verhütung?
Die Beurteilung des Zervixschleims und auch die optimale Messung der Basaltemperatur erfordern eine gewisse Übung und Kenntnis des eigenen Körpers. Die Sicherheit dieser Verhütungsmethoden hängt daher maßgeblich von der Anwenderin ab. Um sie zu erhöhen, ist es ratsam, Temperaturmessung und Schleimbeurteilung zu kombinieren – die symptothermale Methode gewährleistet den besten Verhütungsschutz.
Der sogenannte Pearl-Index, ein Maß zur Beurteilung der Sicherheit eines Verhütungsmittels, schwankt je nach Verfahren:
- Basaltemperaturmethode: Pearl-Index 1–10
- Billings-Methode: Pearl-Index 5–35
- symptothermale Methode: Pearl-Index 0,3–2,3
Was diese Angaben genau bedeuten, erfahren Sie hier: Pearl-Index: Wie zuverlässig sind verschiedene Verhütungsmethoden?
Passt die natürliche Verhütung zu mir?
Die natürliche Familienplanung ist für alle geeignet, die
- hormonfrei verhüten und nicht in den natürlichen Zyklus eingreifen möchten
- keine äußeren Hilfsmittel kurz vor dem Geschlechtsverkehr anwenden wollen
- sich darauf einlassen, ihren Körper mit seinen natürlichen Abläufen und hormonellen Schwankungen genau zu beobachten
- bereit sind, an manchen Tagen im Monat auf Geschlechtsverkehr zu verzichten
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Register-Nr. 015-095, Dezember 2023. │Casey FE et al.: Natürliche Methoden der Kontrazeption, MSD Manuals [online]. https://www.msdmanuals.com/de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/familienplanung/nat%C3%BCrliche-methoden-der-kontrazeption (letzter Zugriff: 22.12.2024).




