Zum Inhalt springen Zum Hauptmenu springen
Header zum Artikel Pille danach

Die „Pille danach“: Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex

Autor:

Ein gerissenes Kondom, eine vergessene Pille oder ungeschützter Geschlechtsverkehr – Situationen wie diese können schnell zur Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft führen. Für solche Notfälle gibt es die sogenannte „Pille danach“. Sie ist kein reguläres Verhütungsmittel, sondern dient ausschließlich der Notfallverhütung. Wie sie wirkt, wann sie eingenommen werden sollte und was Betroffene beachten müssen, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Lesedauer: 5 Minuten

Was genau ist die „Pille danach“ und wie wirkt sie?

Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr haben Frauen ein kurzes Zeitfenster, in dem die sogenannte „Pille danach“ eingenommen werden kann, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die Präparate sind lediglich zur Notfallverhütung gedacht und wirken am effektivsten, wenn die Einnahme innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr erfolgt.

Die „Pille danach“ ist für über 18-jährige Frauen in fast allen europäischen Ländern rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – unter 14 Jahren ist ein Einverständnis der Eltern notwendig, zwischen 14 und 18 Jahren ist das Einverständnis dringend empfohlen. Neben der Möglichkeit einer ungeplanten Schwangerschaft sollte jedoch immer auch an das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten gedacht werden. Diese werden durch die Einnahme der „Pille danach“ nicht verhindert, eine Abklärung ist daher ratsam.

Eisprung soll verschoben oder verhindert werden

Die „Pille danach“ greift in den natürlichen Zyklus ein, indem sie den Eisprung verschiebt oder verhindert. Ist der Eisprung bereits erfolgt, kann sie nicht mehr zuverlässig wirken. Aus diesem Grund ist der Einnahmezeitpunkt entscheidend für ihre Wirksamkeit. Je früher das Präparat eingenommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft verhindert werden kann.

Bis wann muss ich die „Pille danach“ einnehmen?

Mit „schnell“ ist gemeint, dass die „Pille danach“ so früh wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden sollte. Idealerweise erfolgt die Einnahme innerhalb der ersten 12 Stunden, da in diesem Zeitraum die höchste Wirksamkeit besteht. Je mehr Zeit vergeht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Eisprung bereits stattgefunden hat – und desto geringer ist der empfängnisverhütende Effekt.

Je nach Wirkstoff kann die „Pille danach“ zwar noch bis zu 3 bzw. 5 Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, sie bietet jedoch keinen garantierten Schutz mehr, wenn der Eisprung bereits eingesetzt hat. Im Zweifel gilt daher: lieber frühzeitig handeln und sich in Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen, als wertvolle Zeit verstreichen zu lassen.

Nach Befruchtung nur noch Arztbesuch und evtl. Kupferspirale möglich

Kam es bereits zur Befruchtung der Eizelle, sprich, ist die Einnahme der „Pille danach“ zu spät erfolgt, lässt sich die Schwangerschaft durch die Einnahme nicht mehr abbrechen. In diesen Fällen kann das zeitnahe Einbringen einer Kupferspirale allerdings die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle in einem Großteil der Fälle verhindern. Dafür ist ein Arztbesuch jedoch unumgänglich.

Die Pille danach ist keine Abtreibungspille

Wichtig zu wissen ist, dass die „Pille danach“ keine Abtreibungspille ist. Sie beendet keine bestehende Schwangerschaft, sondern kann lediglich deren Entstehung verhindern. Ist eine Schwangerschaft bereits eingetreten und hat sich die Eizelle eingenistet, bleibt nur die ärztliche Beratung über das weitere Vorgehen.

Wie kommt man an die Pille danach?

Die „Pille danach“ ist in Deutschland rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Sie müssen also einfach nur eine Apotheke aufsuchen. In dringenden Fällen kann sie auch über den ärztlichen Notdienst oder in Notfallambulanzen verordnet werden.

Wie fragt man am besten danach?

Vielen Betroffenen ist das Thema und vor allem das Nachfragen in der Apotheke sehr unangenehm. Am besten hilft es hier, das Thema einfach schnell und direkt anzusprechen! Ein Herumdrucksen führt eher dazu, dass noch länger nachgefragt und es dadurch noch unangenehmer wird.

Was passiert in der Apotheke?

In der Apotheke erfolgt in der Regel ein kurzes Beratungsgespräch, um zu klären, wann der ungeschützte Geschlechtsverkehr stattgefunden hat und welches Präparat geeignet ist. Die Beratung dient dazu, die Wirksamkeit sicherzustellen und mögliche Gegenanzeigen auszuschließen. Dabei werden auch der Zeitpunkt der letzten Monatsblutung und mögliche Vorerkrankungen angesprochen. Diese Beratung dient Ihrem Schutz und ist ein fester Bestandteil der Abgabe.

Zügig handeln!

Besteht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft und definitiv kein Kinderwunsch, sollten Sie in jedem Fall rechtzeitig handeln. Im Zweifel kann in solchen Fällen auch immer ein Notfalltermin beim Frauenarzt zur Klärung dringender Fragen vereinbart werden – auch telefonisch bzw. anonym bei entsprechenden Beratungsstellen.

Fazit

Die „Pille danach“ ist eine wichtige Möglichkeit der Notfallverhütung, sollte jedoch nicht als Ersatz für eine reguläre Verhütungsmethode genutzt werden. Wer häufiger in Situationen gerät, in denen eine Notfallverhütung notwendig erscheint, sollte gemeinsam mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt über eine langfristig passende Verhütungsstrategie sprechen.

Häufige Fragen zur „Pille danach“

Quellen 

Casey. F.E. (2023): Notfallkontrazeption, MSD Manuals, [online] https://www.msdmanuals.com/de/profi/gynäkologie-und-geburtshilfe/familienplanung/notfallkontrazeption [abgerufen am 25.03.2026]. │Goerke, K. Valet, A. (2000): Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 4. Aufl., München/Jena, Deutschland: Urban & Fischer. │Die Pille danach / Notfallverhütung (2023): Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), [online] https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/die-pille-danach-notfallverhuetung/ [abgerufen am 25.03.2026].

 

Autor/-in unseres Artikels
Studium:
  • Universitätsklinik Marburg
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
Berufliche Stationen:
  • Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg
  • Medizinischer Chefredakteur im wissenschaftlichen Springer-Verlag
mehr Informationen ➚
Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin
Studium:

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

Berufliche Stationen:
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
mehr Informationen ➚