Die „Pille danach“: Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex
Autor: Dr. med. Jörg Zorn, Arzt
Ein gerissenes Kondom, eine vergessene Pille oder ungeschützter Geschlechtsverkehr – Situationen wie diese können schnell zur Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft führen. Für solche Notfälle gibt es die sogenannte „Pille danach“. Sie ist kein reguläres Verhütungsmittel, sondern dient ausschließlich der Notfallverhütung. Wie sie wirkt, wann sie eingenommen werden sollte und was Betroffene beachten müssen, erfahren Sie im folgenden Beitrag.
Lesedauer: 5 Minuten
Was genau ist die „Pille danach“ und wie wirkt sie?
Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr haben Frauen ein kurzes Zeitfenster, in dem die sogenannte „Pille danach“ eingenommen werden kann, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die Präparate sind lediglich zur Notfallverhütung gedacht und wirken am effektivsten, wenn die Einnahme innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr erfolgt.
Die „Pille danach“ ist für über 18-jährige Frauen in fast allen europäischen Ländern rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – unter 14 Jahren ist ein Einverständnis der Eltern notwendig, zwischen 14 und 18 Jahren ist das Einverständnis dringend empfohlen. Neben der Möglichkeit einer ungeplanten Schwangerschaft sollte jedoch immer auch an das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten gedacht werden. Diese werden durch die Einnahme der „Pille danach“ nicht verhindert, eine Abklärung ist daher ratsam.
Eisprung soll verschoben oder verhindert werden
Die „Pille danach“ greift in den natürlichen Zyklus ein, indem sie den Eisprung verschiebt oder verhindert. Ist der Eisprung bereits erfolgt, kann sie nicht mehr zuverlässig wirken. Aus diesem Grund ist der Einnahmezeitpunkt entscheidend für ihre Wirksamkeit. Je früher das Präparat eingenommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft verhindert werden kann.

Bis wann muss ich die „Pille danach“ einnehmen?
Mit „schnell“ ist gemeint, dass die „Pille danach“ so früh wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden sollte. Idealerweise erfolgt die Einnahme innerhalb der ersten 12 Stunden, da in diesem Zeitraum die höchste Wirksamkeit besteht. Je mehr Zeit vergeht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Eisprung bereits stattgefunden hat – und desto geringer ist der empfängnisverhütende Effekt.
Je nach Wirkstoff kann die „Pille danach“ zwar noch bis zu 3 bzw. 5 Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, sie bietet jedoch keinen garantierten Schutz mehr, wenn der Eisprung bereits eingesetzt hat. Im Zweifel gilt daher: lieber frühzeitig handeln und sich in Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen, als wertvolle Zeit verstreichen zu lassen.
Nach Befruchtung nur noch Arztbesuch und evtl. Kupferspirale möglich
Kam es bereits zur Befruchtung der Eizelle, sprich, ist die Einnahme der „Pille danach“ zu spät erfolgt, lässt sich die Schwangerschaft durch die Einnahme nicht mehr abbrechen. In diesen Fällen kann das zeitnahe Einbringen einer Kupferspirale allerdings die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle in einem Großteil der Fälle verhindern. Dafür ist ein Arztbesuch jedoch unumgänglich.
Die Pille danach ist keine Abtreibungspille
Wichtig zu wissen ist, dass die „Pille danach“ keine Abtreibungspille ist. Sie beendet keine bestehende Schwangerschaft, sondern kann lediglich deren Entstehung verhindern. Ist eine Schwangerschaft bereits eingetreten und hat sich die Eizelle eingenistet, bleibt nur die ärztliche Beratung über das weitere Vorgehen.

Wie kommt man an die Pille danach?
Die „Pille danach“ ist in Deutschland rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Sie müssen also einfach nur eine Apotheke aufsuchen. In dringenden Fällen kann sie auch über den ärztlichen Notdienst oder in Notfallambulanzen verordnet werden.
Wie fragt man am besten danach?
Vielen Betroffenen ist das Thema und vor allem das Nachfragen in der Apotheke sehr unangenehm. Am besten hilft es hier, das Thema einfach schnell und direkt anzusprechen! Ein Herumdrucksen führt eher dazu, dass noch länger nachgefragt und es dadurch noch unangenehmer wird.
Was passiert in der Apotheke?
In der Apotheke erfolgt in der Regel ein kurzes Beratungsgespräch, um zu klären, wann der ungeschützte Geschlechtsverkehr stattgefunden hat und welches Präparat geeignet ist. Die Beratung dient dazu, die Wirksamkeit sicherzustellen und mögliche Gegenanzeigen auszuschließen. Dabei werden auch der Zeitpunkt der letzten Monatsblutung und mögliche Vorerkrankungen angesprochen. Diese Beratung dient Ihrem Schutz und ist ein fester Bestandteil der Abgabe.
Zügig handeln!
Besteht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft und definitiv kein Kinderwunsch, sollten Sie in jedem Fall rechtzeitig handeln. Im Zweifel kann in solchen Fällen auch immer ein Notfalltermin beim Frauenarzt zur Klärung dringender Fragen vereinbart werden – auch telefonisch bzw. anonym bei entsprechenden Beratungsstellen.

Fazit
Die „Pille danach“ ist eine wichtige Möglichkeit der Notfallverhütung, sollte jedoch nicht als Ersatz für eine reguläre Verhütungsmethode genutzt werden. Wer häufiger in Situationen gerät, in denen eine Notfallverhütung notwendig erscheint, sollte gemeinsam mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt über eine langfristig passende Verhütungsstrategie sprechen.

Häufige Fragen zur „Pille danach“
Wirkt die „Pille danach“ auch während der Periode?
Während der Periode ist eine Schwangerschaft zwar weniger wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Ob die „Pille danach“ sinnvoll ist, hängt davon ab, ob ein Eisprung bereits stattgefunden hat oder noch bevorsteht. Im Zweifel sollte sie eingenommen bzw. fachlich abgeklärt werden.
Kann die „Pille danach“ Nebenwirkungen haben?
Wie bei allen Medikamenten können Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen unter anderem Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel oder Zyklusverschiebungen. Meist sind diese Beschwerden vorübergehend und klingen nach kurzer Zeit wieder ab.
Stimmt es, dass unmittelbar nach der "Pille danach" die normale Pille nicht wirkt?
Nach der Einnahme der „Pille danach“ ist der hormonelle Zyklus vorübergehend gestört. Deshalb ist der Empfängnisschutz durch die normale Pille zunächst nicht zuverlässig gegeben, selbst wenn sie regulär weiter eingenommen wird. Dabei kommt es auch auf den verwendeten Wirkstoff an.
- Bei der „Pille danach“ mit Levonorgestrel (Einnahme bis 72 Stunden nach dem Sex) gilt: Die normale Pille kann direkt weiter eingenommen oder neu begonnen werden, allerdings besteht erst nach mindestens sieben Tagen zusätzlicher Verhütung (z. B. Kondom) wieder ein sicherer Schutz. In dieser Zeit ist ein Eisprung trotz Pilleneinnahme möglich.
- Bei der „Pille danach“ mit Ulipristalacetat (Einnahme bis 120 Stunden nach dem Sex) gilt: Hormonelle Verhütungsmittel wie die normale Pille können in ihrer Wirkung abgeschwächt sein. Deshalb sollte die reguläre Pille frühestens fünf Tage nach der Einnahme der „Pille danach“ begonnen oder fortgesetzt werden. Danach sind zusätzlich mindestens sieben Tage Barrieremethoden (z. B. Kondom) notwendig. In dieser Zeit besteht kein sicherer Schutz durch die Pille allein.
Wichtig ist daher: Nach jeder „Pille danach“ sollte bis zum sicheren Wiedereinsetzen des Empfängnisschutzes konsequent zusätzlich verhütet werden. Im Zweifel hilft eine kurze Rückfrage in der Apotheke oder bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt, da dort auch der verwendete Wirkstoff berücksichtigt wird.
Wie oft darf man die „Pille danach“ einnehmen?
Die „Pille danach“ ist für den Notfall gedacht und sollte nicht regelmäßig angewendet werden. Eine wiederholte Einnahme ist zwar möglich, kann den Zyklus jedoch durcheinanderbringen. Bei häufigem Bedarf ist eine Beratung zu einer dauerhaften Verhütungsmethode sinnvoll.
Beeinflusst die „Pille danach“ die nächste Periode?
Ja, die nächste Monatsblutung kann sich um einige Tage vorziehen oder verzögern. Auch Stärke und Dauer können vorübergehend abweichen. Bleibt die Periode länger als etwa eine Woche aus, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.
Schützt die „Pille danach“ vor sexuell übertragbaren Krankheiten?
Nein. Die „Pille danach“ verhindert ausschließlich eine Schwangerschaft. Sie bietet keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Bei einem entsprechenden Risiko ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
Quellen
Casey. F.E. (2023): Notfallkontrazeption, MSD Manuals, [online] https://www.msdmanuals.com/de/profi/gynäkologie-und-geburtshilfe/familienplanung/notfallkontrazeption [abgerufen am 25.03.2026]. │Goerke, K. Valet, A. (2000): Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 4. Aufl., München/Jena, Deutschland: Urban & Fischer. │Die Pille danach / Notfallverhütung (2023): Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), [online] https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/die-pille-danach-notfallverhuetung/ [abgerufen am 25.03.2026].



